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GEflüchtete

Seit September 2016 gibt es im CVJM Baden das Projekt "Damit aus Fremden Freunde werden"

Damit soll die Arbeit mit Geflüchteten und die Sprachfähigkeit im interreligiösen Gespräch gefördert werden.

 

Auf dieser Seite kannst Du Informationen zum Projekt und konkrete Arbeitshilfen und Angebote für die Arbeit vor Ort finden.

 

Wo Menschen

von der Not im Innersten berührt sind,

wo sie wirklich etwas an sich heranlassen, benötigt es keine Pädagogik

der kleinen Schritte,

um sie für Fremde offen zu machen.

Wo Gott

solch einem Menschen Situationen und Leute zeigt, setzt er sich in Bewegung.

Da muss kein innerer Schweinehund

mehr überwunden werden –

es folgen ganz einfach konkrete Schritte.

 

Deshalb:

Wage die Reise zu den Menschen,

die Gott zu dir geführt hat.

Lass dich anrühren

von den Menschen,

die zu uns geflohen sind.

Geimeinsame Malaktion in einer Gemeinschaftsunterkunft im Kraichtal

Einladung für ungeladene Gäste

Um einen Erstkontakt zu Flüchtlingen zu bekommen, können wir uns als CVJM organisieren und Angebote in Flüchtlingsunterkünften selbst gestalten oder uns anderen bereits bestehenden Organisationen im Ort anschließen und uns in vielfältiger Form engagieren. Es braucht Kleiderspenden, Sprachhelfer, Aktionen für Kinder usw. Mehr Ideen zu konkreten Schritten und wie man sich am besten organisiert, findet man z.B. auf der Homepage des EJW.

 

Ich möchte uns heute aber einmal noch eine andere Herausforderung aufzeigen. Was es nämlich für die vielen Flüchtlingen in Deutschland auch braucht sind "FREUNDE". Jemand, der einen auf der Straße anlächelt, der einem zeigt, wie man ein Zugticket am Automaten löst, der einen vielleicht sogar ganz unorganisiert zu einem Tee nach Hause einlädt. Ich fürchte, darin liegt unsere größte Schwäche als Deutsche. Wir haben wenig Zeit, sind außerdem verunsichert und wissen nicht, wie die Leute aus so einer anderen Kultur und Religion auf uns reagieren  - und dann die Sprachbarriere erst.

 

Ich lebe seit fast vier Jahren in der Türkei an der syrischen Grenze. Als Ausländerin falle ich hier natürlich auf. Aber die Leute sind alles andere als verunsichert, wenn sie mich sehen. Zu Beginn meiner Zeit war ich in dem Dorf Harran. Da rief eine Frau aus ihrem Fenster "Gel gel, çay içelim". Ich verstand nichts. Sie winkte mich herbei und machte Handbewegungen, die Teetrinken andeuteten. Ich dachte, sie wolle mir Tee verkaufen; sicher wollte sie Geld. Egal, ich war einsam und bin zu ihr rein. Wir tranken tatsächlich Tee... sie redete... ich verstand kein Wort... mit Händen und Füßen erzählte sie mir ihre Lebensgeschichte... ihre Kinder kuschelten sich an mich.  Als ich ihr beim Weggehen Geld für den Tee geben wollte, war sie empört. Interkulturelles Fettnäpfchen, das ihre Gastfreundschaft beschämte! „Wir sind doch Freunde.“, sagte sie.

Bis heute sind wir Freunde. Manchmal bleibe ich über Nacht bei ihr. Dank Ayşe und ihrer Kinder durfte ich viel von der türkischen Sprache und Kultur lernen. Und viele andere haben mich noch in ihre Häuser gezogen, um mir Tee und ihre Freundschaft anzubieten. Für die Menschen hier könnte jeder Gast ein Engel gewesen sein.

 

Für die Flüchtlinge wäre es kein Schock, wenn sie so etwas in Deutschland auch erleben würden. Aber es ist ein Schock, wenn sie einfach nur ignoriert und irgendwo abgestellt werden. Sie würden zu einer Einladung vermutlich zuerst Nein sagen, sich scheuen, die Einladung nicht annehmen. In ihrer Kultur muss man das aus Gründen der Höflichkeit so machen. Ihr solltet aber beharrlich sein und eure Einladung mindestens dreimal wiederholen; alles Weitere ergibt sich dann von selbst. Vielleicht erzählen sie euch mit Händen und Füßen von ihrem langen und beschwerlichen Fluchtweg über Griechenland, wo ihr selbst eventuell letztes Jahr Urlaub gemacht habt. Vielleicht könnt ihr ihnen eure Hochzeits- oder Einschulungsfotos zeigen, und zufällig haben sie auch welche auf ihrem Handy. Ihr werdet schnell feststellen, wie viele gemeinsame Themen es gibt. Ihr könnt eigentlich nichts falsch machen, außer Angst vor einer Begegnung mit ihnen zu haben. Ladet sie also ein (Herzlich willkommen heißt auf Arabisch – Ahlan wa Sahlan), macht ihnen einen schwarzen Tee mit ganz viel Zucker, schaut mit ihnen deutsches Fernsehen oder lächelt sie einfach nur auf der Straße an. Vielleicht begegnet ihr Engeln - oder echten Freunden.

 

(Sabine Schnabowitz)

Begleitheft junge Christen begegenen Muslimen
Flüchtlinge begleiten
Ein Handbuch für die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in Baden-Württemberg
Streiflichter 4-2016 zum Thema "Dialog fördern" als PDF zum download
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Streiflichter 3-2015 zum Thema "Flüchtlinge" als PDF zum download
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