CVJM Baden Aktuell
Insight Trip nach Indien 2026
Voller Begegnungen, kultureller Vielfalt und unvergesslicher Gemeinschaft
Wie berichtet man von einer Reise, in ein riesengroßes Land, von dem man einen winzigen Teil gesehen hat? Wie schreibt man von dem Gefühl einen Platz zu haben und willkommen zu sein, wenn doch so viel um einen herum Fremd ist? Wie beschreibt man eine Gruppe, die überwiegend als Fremde eine Reise startet und als indische Großfamilie endet?
Vor diesen Fragen sehe ich mich, wenn ich diese Zeilen schreibe. Ich, Christina, die Teil des Insight Trips nach Indien sein durfte.

Am 15. Februar landete unsere Reisegruppe, in drei Kleingruppen aufgeteilt, am Flughafen Madurai. Shamila, die Generalsekretärin des YMCAs Madurais, begrüßte uns mit Blumen und dann ging es direkt zum YMCA International Guest House, unserem Zuhause für die erste Woche. Von dort aus erkundeten wir die Umgebung, besuchten den berühmten Meenakshi Temple und lernten einige der Projekte des YMCAs in Madurai kennen. An einem Tag durften wir bei einem Arbeitseinsatz tatkräftig mit anpacken. Zum einen wurde eine Mauer für einen Kindergarten mit bunten Motiven bemalt, zum anderen wurde ein Ablaufgraben für Regenwasser geschaffen. Andere Projekte, wie Schulen für Kinder mit Hörbeeinträchtigung oder Kinder mit geistiger Behinderung schauten wir an und konnten nach dem Unterricht noch mit den Kindern spielen. Beim Abendessen tauschten wir uns oft aus, was wir am Tag erlebt haben, mal als Gruppe unter uns, mal mit Shamila, anderen Mitarbeitenden des YMCAs oder alten Freunden von unseren ehemaligen Volontärinnen. Wir fanden Unterschiede und Gemeinsamkeiten in unseren Leben und unseren CVJMs. Wir lernten Interessantes über die Kultur, Lebensart und die aktuelle politische Lage in Indien. Madurai ist eine Stadt, die noch sehr wenig westlich geprägt ist. Daher ging es natürlich in den ersten Tagen in indische Bekleidungsgeschäfte, bzw. Schneidereien, um uns ortstypische Gewänder zu besorgen. Da Besteck nicht so üblich ist, lernten wir auch das Essen mit den Fingern. Natürlich aßen wir nur der der rechten Hand, da die linke Hand für das Abwaschen auf der Toilette ist. 😉

Am Ende der ersten Woche mussten wir uns leider von zwei unserer Mitreisenden verabschieden, die planmäßig früher zurück nach Deutschland mussten. Für den Rest der Gruppe stand eine Safari an, etwas weiter westlich und weiter oben in den Bergen. Zu Fuß und mit Bambus-Flößen ging es durch das Periyar Tiger Reserve. Von den Tigern haben wir nur einen Fußabdruck gesehen. Dafür hatten wir die besondere Freude eine Gruppe Elefanten beobachten zu dürfen – mit großem Sicherheitsabstand, denn sie hatten junge Elefanten dabei. Am Abend hatten wir die Ehre von einer Familie bekocht zu werden. Wir sind in unsere Betten gerollt, nach so viel köstlichem und vielfältigem Essen. Der nächste Tag und die nächste Busfahrt brachte uns zu den Backwaters vor der Westküste Indiens. Für eine Nacht ging es auf ein Hausboot mit dem wir durch die größeren Kanäle dieses weit verästelten Wassersystems fuhren. Über den Zustand des Bootes könnte man viel schreiben, aber viel schöner ist es an dieser Stelle von der Gemeinschaft zu erzählen. Denn zu dieser Zeit hatte sich schon eingebürgert, dass wir bei gemeinsamen Mahlzeiten unser Essen einfach teilten. Große indische Portionen ließen sich so besser dem jeweiligen Hunger anpassen und wir hatten die Möglichkeit bei jedem Essen gleich mehrere Gerichte zu probieren. Wenn es mal keinen festen Programmpunkt gab, dann wurde sich rege unterhalten, Henna gemalt, ein Sparziergang gemacht oder auch Spiele gespielt. Werwolf, mit unseren selbst gebastelten Karten, gewann große Beliebtheit. Wir gingen füreinander einkaufen, wuschen Wäsche von anderen mit oder halfen uns mit Pflastern oder anderem aus. Irgendjemand in der Gruppe hatte immer eine Idee, Lösung oder die richtigen Materialien zur Hand um die Reise noch angenehmer zu machen.

Vom Hausboot aus ging es in den letzten Teil unserer Reise - drei Tage in die Hafenstadt Kochi. Nach dem sehr traditionellen Indien in Madurai war das quasi ein Kulturschock. Während wir in unseren traditionellen Gewändern unterwegs waren, sahen wir viele Inder und Inderinnen in T-Shirt und Hose durch die Straßen schlendern. In den Restaurants lagen automatisch Messer und Gabel bereit, aber wir aßen doch oft noch weiter mit den Fingern – es macht einfach auch Spaß! Kochi ist eine sehr gemischte Stadt. Durch den Handel kommen hier schon seit tausenden von Jahren Menschen aus verschiedenen Kulturen und mit verschiedenen Religionen zusammen. Das Stadtbild ist davon stark geprägt. Neben hinduistischen Tempeln prägen auch Kirchen das Straßenbild. Wir besuchten dort auch eine Synagoge und während unseres Kochkurses lauschten wir den Gebeten des Muezzins aus der Moschee in der Nachbarschaft.

Zum Abschluss sind wir nochmal alle zusammen essen gegangen. Wir haben uns herausgeputzt, teilweise sogar mit Sari. Als letzte Aktion sollte jeder ein kleines Souvenir von den vielen, vielen Touristen-Ständen mitbringen, dass dann bei einer Art Schrott-Wichteln verlost worden ist. Bei mir ist jetzt ein pinker, perlenbesetzter Kugelschreiber in den Haushalt gezogen. So scheußlich ich ihn auch finde, er wird mich immer an diese wunderbare und eindrucksvolle Reise erinnern!
Noch mehr wunderbare Einblick gibt es in der Galerie hier.

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