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CVJM Baden Aktuell

Gleitschirm-Erlebnisse

Die Gleitschirmflieger im CVJM Baden – heute sagt man neuhochdeutsch Paraglider – haben ihre Seite der Homepage überarbeitet. Dort findet ihr die wesentlichen Themen rund um das Paragliding beschrieben, die aktuellen Angebote und alle Kontaktmöglichkeiten.

Reinschauen lohnt sich auf jeden Fall.

 

Auf jeden Fall lohnt es sich, den Bericht von Paula hier zu lesen. Sie war im vergangenen Jahr mit auf der Gleitschirmfreizeit und hat dort den Grundkurs absolviert. Das Jahr über hat sie dann die beiden Höhenflugkurse und den Pilotenschein gemacht und war dieses Jahr bereits als lizenzierte Pilotin mit auf der Gleitschirmfreizeit.

 

 

CVJM-Gleitschirmfreizeit 2020

 

Es war die letzte Woche im August, das Wetter schien sich nicht recht entschlossen zu haben, ob es noch Sommer schon Herbst sein wollte und trotz des Nieselregens lag diese Vorfreude in der Luft, die ich so nur vom Fliegen kenne. Nach und nach trudelten alle ein und dann ging sie los: die CVJM-Gleitschirmfreizeit 2020. Ich war aufgeregt. Schon im letzten Jahr war ich dabei gewesen, damals im Grundkurs, nun als Freifliegerin. Einige Gesichter kannte ich schon, manche waren neu dazugekommen und alle strahlten. Ich finde diese besondere Stimmung unter Gleitschirmfliegen immer wieder faszinierend. Diese Mischung aus Vertrautheit, Sympathie, freudiger Anspannung und fröhlicher Gelassenheit ist mir schon bei verschiedenen Gelegenheiten aufgefallen und ich habe mich oft gefragt, woher sie wohl kommt. Vielleicht daher, dass hier Leute zusammenkommen, die sich alle einen tiefen Wunsch erfüllt haben oder gerade kurz davor sind, ihn sich zu erfüllen. Oder daher, dass all diese Menschen sich zu dem gleichen Wunder, den Boden zu verlassen und den Himmel zu erfliegen, hingezogen und sich dadurch verbunden fühlen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich das Gefühl liebe und ich weiß, dass es sich in dieser Runde ganz besonders gut – womöglich: besonders gesegnet – anfühlt.

 

 

Überhaupt ist die Gruppe etwas Besonderes; für mich war sie der Hauptgrund, wieder mitzukommen. Denn auch wenn ich die meisten (noch) gar nicht näher kannte und wenn überhaupt, dann schon lang nicht mehr gesehen hatte, fühlte ich mich zwischen diesen Leuten so willkommen und einfach gut aufgehoben, wie man sich nur in Gemeinschaften fühlen kann, in denen aufeinander achtgegeben wird. Der Wert dieser Gruppe wurde mir in den kommenden Tagen immer wieder bewusst. Zum Beispiel immer dann, wenn am Startplatz auf Anfänger wie mich gewartet wurde, damit wir nicht allein starten mussten – auch wenn ich ganz genau weiß, wie sehr es jeden einzelnen in den Fingern und Füßen und überall juckte, endlich selbst abzuheben. Oder wenn die erfahrenen Piloten nicht müde wurden, meine Fragen zum fünftausendsten Mal geduldig zu beantworten („Wie geht das nochmal mit der Landeeinteilung?“). Oder wenn sich am Boden mitgefreut wurde, wenn einer die Thermik erwischt hat, auch wenn die Enttäuschung darüber, nicht selbst dort oben zu sein, nicht ganz zu leugnen war.

 

 

Doch soweit war es noch nicht. Noch war es Samstagmorgen und wir standen im Nieselregen in Bernau im Schwarzwald, gewiss, dass wir heute wohl nicht fliegen würden und trotzdem mit dieser herrlichen Fliegerstimmung. Die Grundkursler brachen bald auf zu Ihrer ersten Lektion mit Walter und wir anderen fuhren schon mal zu unserem Gruppenhaus (Das übrigens wirklich schön war!) zum Käffchen trinken und Zimmer beziehen. Später wurde das Wetter dann doch etwas freundlicher und Thomas zeigte uns schon einmal vorsorglich einen Startplatz in der Nähe, wo einige mutige dem recht starken Wind zum Trotz ihre Schirme zum Groundhandlen auspackten. Dabei sollte die Geländeeinweisung tatsächlich prophylaktisch bleiben, denn das Wetter entschied sich nun doch für „Sommer“ und wir hatten vier wundervolle Flugtage, wobei wir zweimal in Schönau, einmal in der Schweiz am Marbachegg und einmal in Frankreich am Treh unterwegs waren. Dabei kam wohl jeder auf seine Flugkosten: die erfahreneren Piloten, blieben beim Soaren und Thermikkreisen ewig in der Luft und machten teilweise ordentlich Strecke. Ich selbst kam dabei aus dem Staunen oft gar nicht wieder raus – und dann konnte ich plötzlich auch über mich selbst staunen: mit der Hilfe von Timo und Thomas, die mich zuverlässig in die Thermik lotsten, gelang mir während der Freizeit nicht nur meine erste Startplatzüberhöhung (unglaubliches Gefühl!), sondern auch mein erster richtig ausgedehnter Thermikflug mit anschließender Toplandung am Treh – UNGLAUBLICHES GEFÜHL! Obendrein blieb noch genug Zeit zum Aussicht genießen und demütig werden vor dem herrlichen Bergpanorama, dass sich und an den verschiedenen Orten immer anders und immer herrlich präsentierte; zum Aufziehen üben und Groundhandlen; zum Landekäffchen trinken und ausgiebig quatschen. Die Grundkursler wagten währenddessen erste Abhebeversuche am Übungshang und konnten zuletzt sogar vom 100-Meter-Hügel ihren ersten richtigen Flug absolvieren, sodass für Gesprächsstoff an den Abenden gesorgt war. Hinzu kam der Input, den Gerd für uns vorbereitet hatte. Thema dieser Freizeit war die Jahreslosung: „Ich glaube – hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24) Der Bibelspruch und die dazugehörige Geschichte sollte uns die ganze Woche lang begleiten. Dazu gab es jeden Morgen einen Impuls zum Bedenken und Besprechen im Laufe des Tages; abends hatten wir dann Gelegenheit uns mit der ganzen Gruppe darüber auszutauschen. Mir fiel dabei mal wieder auf, wie wunderbar diese Kombination ist: Glauben, Gemeinschaft und Fliegen. Den Boden für eine Weile verlassen, den Himmel erfliegen, getragen werden, die eigenen Grenzen und Möglichkeiten Erfahren; sich miteinander austauschen, gegenseitig bestärken und füreinander da sein; Gottes unbegreifliche Größe erfahren und jedes Mal diese tiefe Dankbarkeit empfinden, wenn alle sicher gelandet sind.

 

 

All das kam während der Woche auf wundervolle Weise zusammen und ich muss immer noch lächeln, wenn ich mich daran erinnere. Dazu passten auch die Impulse, die Thomas uns mitgab, als wir an einem allzu windigen Tag eine Theoriepause einlegten. Neben dem fast schon obligatorischen Wetterbriefing, lud er uns ein, einmal über uns selbst zu reflektieren: wo stehen wir gerade fliegerisch? Und was steht uns im Weg? Was bedeutet fliegen für uns, wie hat es uns schon geprägt und was wünschen wir uns, wie es weitergeht? Sich mit all diesen Fragen auseinanderzusetzen, war für mich eine der wichtigsten Erfahrungen dieser Freizeit, die dann plötzlich viel zu schnell schon wieder vorbei war. Der letzte Abend bildete einen eindrucksvollen Abschluss, es gab zwar keine Schwarzwälder Kirschtorte, dafür aber sehr grandiosen Schwarzwälder Sternenhimmel, denn unser Gruppenhaus befand sich direkt neben einer Sternwarte und ein engagierter Hobbyastronom lud uns spontan zum gemeinsamen Sternegucken ein. So sahen wir ihn dann noch einmal ganz bewusst: diesen Himmel. So groß. So unbeschreiblich schön. So unergründlich. Und doch, beim Fliegen, ein kleines bisschen erfahrbar. Denn, wie Thomas so gut auf den Punkt gebracht hat: „Wer fliegt, ist zu Gast im Himmel.“

 

Und, oh ja, das waren wir in dieser Woche. Gäste im Himmel.

 

Ich freue mich schon darauf, in dieser Runde wieder unterwegs zu sein. Alles Liebe und bis bald!

 

Paula