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Bericht: YMCA bei der UN-Konferenz in Bonn

Eva Herrmann als Delegierte des YMCA-Weltbundes bei der UN-Konferenz in Bonn

Erst als ich mich auf den Weg nach Bonn machte, wurde mir so recht bewusst, welch ehrenvolle Aufgabe ich - Eva Herrmann aus dem kleinen CVJM Baden - als jüngstes Mitglied der YMCA -Delegation hatte  bei der  „United Nations NGO / DPI – Konferenz“, die vom 3. bis 5. September 2011 in Bonn stattfand. Bei dieser alljährlichen Konferenz treffen sich alle großen weltweiten NGOs (Non governmental  organisations = Nichtregierungsorganisationen) , um gemeinsam für die Vereinten Nationen eine Erklärung zu einem bestimmten Thema aus Sicht der NGOs zu erarbeiten und abzugeben.
UN-KonferenzDieses Jahr drehte sich alles um Nachhaltigkeit und die Verantwortung der Bürger und der Gesellschaften. Ein besonderes Augenmerk galt dabei schon der UN- Konferenz für nachhaltige Entwicklung RIO+20, die im nächsten Jahr - 20 Jahre nach der ersten dieser Art - in Rio de Janeiro durchgeführt werden soll. (http://www.uncsd2012.org/rio20/)
Durch die Konferenz und die vielen unterschiedlichen Teilnehmer wurden mir mal wieder die Augen geöffnet: Wir müssen handeln! Wir müssen besonders die Jugend ermutigen, Verantwortung zu übernehmen, um eine nachhaltige Gesellschaft zu schaffen. Natürlich ist dies eine sehr große Herausforderung, aber nur jetzt ist die Zeit zu handeln!                                                                         

Äußerst positiv für mich war es auch zu erleben, wie bekannt der YMCA doch ist und wie viel Respekt zahlreiche Menschen aus den unterschiedlichsten NGOs und Ländern unserer Arbeit entgegenbringen. Dies ermutigt mich und hoffentlich ebenso noch viele andere junge Menschen im CVJM Baden, weiter im weltweiten CVJM mitzuarbeiten, um damit auch nachhaltig neue Gesellschaften und Strukturen schaffen zu können. Auch als Jüngere haben wir etwas zu sagen!

Eva Herrmann

 

 

Im Folgenden ein ausführlicher Bericht über die UN-Konferenz von Björn Stockleben:

Gebt jungen Menschen echte Verantwortung!

 

Als wir uns dem Hotel näherten, sahen wir blau gestrichene Absperrungen rund um das Konferenzgebäude. Aus der Perspektive des internationalen Rechts begann hinter dem Zaun UN- Territorium; ein Stück Deutschlands war für die 64. UN DPI/NGO-Konferenz vom 3.bis 5. September 2011 in Bonn in neutrales Gebiet verwandelt worden. Wir fünf - Bettina Brendel , Katja Hofmeister, Eva Herrmann, Jason  und ich selbst - besuchten diese Konferenz als Delegierte des Weltbundes der YMCAs. Wie andere große NGOs hat auch der CVJM einen besonderen konsultativen Status bei der UN,  und dies war nun das jährliche Treffen der NGOs zum Netzwerken untereinander und mit der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit (Department of Public Information – DPI) der UN. Wir durchquerten also die Sicherheitsschleuse und fanden uns unter 1.400 engagierten und inspirierten NGO-Mitarbeitenden aus aller Welt wieder.

 

Das Thema der Konferenz war „Nachhaltige Gesellschaften - verantwortungsvolle Bürger“, mit einem starken Akzent auf den umweltpolitischen Aspekten der Nachhaltigkeit. Viele Konferenzteilnehmer hatten das Gefühl, dass eine Menge Lösungen zu diesem Problem seit langer Zeit auf dem Tisch liegen, sie wurden nur nicht umgesetzt. Gleichzeitig aber gaben eine ganze Reihe von größeren oder kleineren Projekten Anlass zu der Hoffnung, dass sich schon vieles verändert: Umweltdörfer erkunden einen Lebensstil ohne Kohlenstoffausstoß, Gemeinden entscheiden sich „Fair Trade-Stadt“ zu werden und immer mehr junge Menschen übernehmen Verantwortung in erfolgreichen nachhaltigen Projekten.

Es gibt einen großen Widerspruch hinsichtlich der Teilnahme von jungen Leuten. Jeder erkennt die Notwendigkeit an, dass junge Menschen bei den Entscheidungsprozessen zu nachhaltigen Projekten beteiligt werden, auch die Entscheidungsträger bei dieser Konferenz. Aber diese Teilnahme scheint sich dann doch nur auf die Vorführung von Tänzen, Liedern oder andere Arten kreativen Protests zu beschränken – wirkliche Verantwortung wird selten geteilt. Politiker mögen Experten in ihren Sachgebieten sein, aber junge Menschen sind Experten für Veränderung. Sie sind diejenigen, die am meisten betroffen sind von den Entscheidungen, die bei globalen Konferenzen zur nachhaltigen Entwicklung, wie z. B. die kommende RIO+20 in 2012, getroffen oder nicht getroffen werden. Konrad Otto-Zimmermann von der NGO „Lokale Regierungen für Nachhaltigkeit“ hatte einen konkreten Tipp für junge Menschen, wenn die sich durch ihre Regierung nicht ausreichend repräsentiert fühlen; er forderte die Jugendlichen provokativ auf: „Wenn die Strukturen ihre Aufgaben nicht erfüllen, braucht es einen Aufstand.“

Die Stimme junger Menschen hörbar zu machen, ist auch ein Auftrag der Rio+twenties-Initiative, die dafür kämpft, dass es  bei der RIO+20-Konferenz eine Plattform für eine aktive Beteiligung von jungen Menschen gibt. Sie sind nicht nur in den nationalen Parlamenten stark unterrepräsentiert, sondern auch in den NGOs. Wenn wir unsere Aktivitäten mit denen anderer Jugendorganisationen koordinieren, können wir unseren Einfluss vergrößern - und die Rio+twenties-Initiative bietet dazu ihre Unterstützung und eine Menge aktueller Informationen über die weiteren Prozesse an. Es ist wichtig zu wissen, dass die Entscheidungen, die bei der RIO+20 getroffen werden, schon von Oktober 2011 an vorbereitet werden. Die Zeit, aktiv zu werden, ist also jetzt!

Im Verlauf der Konferenz bekamen wir den Eindruck, dass die Unterstützung der Jugend ein wichtiger Schlüssel zu Veränderungen ist. Nejeed Kassam, ein kanadischer Student, der mit jetzt 25 Jahren schon eine ganze Reihe von erfolgreichen NGOs gegründet hat, gab hier einen starken Impuls, jungen Menschen echte Verantwortung zu übertragen. Ehrenamtlich Mitarbeitende werden oft als billige Arbeitskräfte gesehen, und viel zu oft kümmern sich die NGOs nicht um die individuelle Entwicklung und Förderung des einzelnen jungen Menschen. Nejeed sprach sich für die Kombination von realen, möglicherweise herausfordernden Aufgaben und gutem Mentoring durch erfahrenere Ehrenamtliche aus. Junge Ehrenamtliche würden darauf brennen, die Dinge in die Hand zu nehmen, um zu spüren, dass ihr Einsatz echte Veränderung bewirkt. Natürlich, für den CVJM steht die seelische, körperliche und geistliche Entwicklung jedes Mitglieds an oberster Stelle. Trotzdem sollten auch wir uns fragen, ob wir die Verantwortung, die unsere jungen Leute auf allen Ebenen der Organisation übernehmen, auch entsprechend wertschätzen. Egal, ob du wöchentlich eine Jungschargruppe leitest oder der Präsident des Nationalverbandes bist, alles ist gleich verantwortungsvoll.

Andererseits müssen die NGOs auch darauf achten, die Ehrenamtlichen  nicht übermäßig zu strapazieren. Das „World Scout Bureau“ gab in seinem Workshop zu bedenken, dass es sehr wichtig ist, interessante Wege und Perspektiven aufzuzeigen, wie man innerhalb der Organisation in seinem Engagement wachsen kann. Sie erwähnten hier das derzeitige Phänomen des „geteilten Ehrenamtlichen“, was meint, dass sich junge Menschen oft in mehreren Organisationen engagieren und dadurch Konflikte entstehen, die zu sozialem Druck führen. Insbesondere große Organisationen wie der CVJM oder die Scouts, die eher ein Komplettangebot für den eigenen Lebensweg anböten als nur ein themenbezogenes Engagement, sollten mehr auf fruchtbare Zusammenarbeit Wert legen als auf kurzzeitige Initiativen, die die Kräfte der Ehrenamtlichen schnell verbrauchen.

Wir erlebten ein paar sehr intensive Tage in Bonn, und besonders die Jungendveranstaltungen waren eine Gelegenheit für anregende Diskussionen und zum Knüpfen von Kontakten. Und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie cool es ist, sich als Repräsentant des Weltbundes der YMCAs vorzustellen und daraufhin ein „Wow, ich habe großen Respekt vor der Arbeit, die ihr macht!“ als Reaktion zu bekommen. Der CVJM hat wirklich ein gutes Ansehen in der Welt da draußen -  also lasst uns das nutzen für die Arbeit an einer nachhaltigen Veränderung unserer Gesellschaft!

 

Björn Stockleben

Original Bericht:

http://www.ymca.int/newsroom/latest-news/give-young-people-real-responsibility/